Ich komme grad vom Treffen der Bayrischen Solarinitiativen und lese gerade das Editoral von Anne Kreutzmann von Photon in der Januarausgabe. Bei den Diskussionen um den Zeitpunkt wann die Einspeisereduzierung gekürzt werden soll wird oft das misteriöse 21. Jahr der Photovoltaikvergütung herangezogen.
Wir sollten am Ende des Jahres unsere Kunden auf das nächste Jahr verweisen. Wer im Januar installiert erhält schließlich fast ein komplettes Jahr der Einspeisevergütung mit den “hohen Vergütungen” dazu. Dann werden Rechnungen dazugelegt und eine ähnliche Rendite oder sogar höhere Rendite berechnet wie wenn die Anlage bereits im Vorjahr am Netz angeschlossen würde.
In dieser Rechnung taucht aber nicht auf was derjenige der im laufenden Jahr bereits installiert in diesem mysteriösen 21. Jahr für einen finanziellen Vorteil mit seinem Strom erzielt. Nun ist es ziemliche Kaffesatzleserei den Strompreis in 20 Jahren rechnerisch zu ermitteln. Aber Überlegungen dazu sind natürlich erlaubt. Da wir in dieser Diskussion über den nächsten Anstehenden Jahreswechsel reden beschreibe ich die Auswirkungen an den derzeiten diskutierten Einspeisevergütungssätze für Anlagen bis 30 kWp.
Derzeit erhält man 39,14 Cent für eine kWh laut Röttgen soll bereits ab 1.4.2010 (Gott bewahre uns davor!) auf 33,27 Cent je kWh reduziert werden und zum 1.1.2011 steht ja nochmal eine 9% Reduzierung an auf 30,28 Cent je kWh.
Der derzeitige Strompreis den unsere Kunden zahlen betrug im Jahr 2009 bereits 23,2 Cent.

Der Strompreis hat sich also in zehn Jahren um fast 10 Cent verteuert. Da ich gerne einfach im Kopf rechne sage ich er wird sich in den nächsten 20 Jahren um 20 Cent verteuern und würde dann 43 Cent kosten.
Da ich ein bißchen mit Excel umgehen kann
habe ich die Haushaltspreisentwicklung der letzten Jahre in Excel eingegeben und auf die nächsten zwanzig Jahre hochrechnen lassen! Da es in Excel die Möglichkeit gibt aus einer Zahlenreihe einen Trend zu errechnen habe ich die Möglichkeiten mal abgebildet.
Exponentielles Wachstum

Polynomisches Wachstum

Lineares Wachstum

Potentielles Wachstum

Logaritmisches Wachstum

Damit genug im Überblick sieht der Strompreis rechnerisch nach 20 Jahren folgendermaßen aus:
70 Cent je kWh bei Exponentiellem Wachstum
45 Cent je kWh bei Polynomischem Wachstum
43 Cent je kWh bei Linearem Wachstum
43 Cent je kWh bei “Kopfrechnen”
28 Cent je kWh bei Potenziellem Wachstum
26 Cent je kWh bei Logarithmischem Wachstum
Meine Lebenserfahrung sagt mir wenn ich mir die einzelnen Kurven anschaue, daß ein lineares Wachstum mir am wahrscheinlichsten sein wird. Die Potentielle und Logarithmische Berechnungen scheinen mir zwar mathematisch eine Option zu sein aber mit der realen Welt nix zu tun zu haben.
Wer 2011 eine Photovoltaianlage baut erhält 30,28 Cent bis Ende 2031 da sein Strom den er vom Energieversorger aber weitaus früher bereits diese 30.28 Cent überschreiten wird, werden diese Kunden nicht mehr die EEG Vergütung in Anspruch nehmen sondern den Strom selbst verbrauche. Wer jetzt anfängt mir zu erzählen der Kunde könnte nicht den Strom der Mittags produziert wird komplett selbst zu verbrauchen dann verweise ich ihn auf die Entwicklungen bezüglich des Smart Grids hin. Der Strom wird an die Nachbarn oder an Kleinverbraucher verkauft aber nicht für 30,28 Cent an den Netzbetreiber.
Deshalb meine ich wer am Jahresende (z.B. 2010/2011) seinen Kunden empfiehlt die Anschaffung seiner Photovoltaikanlage auf das nächste Jahr zu verschieben der sollte seinem Kunden auch sagen wie er das 21. Jahr in die Kalkulation mit einbezieht.
Ich argumentiere jedenfalls nicht mit dem 21. Jahr. Denn wenn ich das 21. Jahr mit in die Kalkulation einbeziehen würde und annehme der Kunde verbraucht den Photovoltaikstrom selbst wird die Wirtschaftlichkeits Berechnung kippen. Sprich eine Montage im laufenden Jahr wäre wirtschaftlicher.
Ich bleibe deshalb weiterhin dabei eine jährliche Einspeisedegression darf nicht am Jahresende erfolgen. Auch wenn Frau Anne Kreutzmann meint wir müssten nur besser argumentieren.
Allerdings möchte ich nicht verschweigen, daß mir die Diskussion der bayr. Solarinitiativen nach einer vierteljährliche Degression auch meinem Wunsch nach einer Jahresendentlastung unserer Monteure entgegen käme.