Heute habe ich per Mail an die Teilnehmer der Wirtschafts und Umwelt Koalitionsverhandlungen den nachfolgenden Vorschlag versendet:
Offener Brief!
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich verfolge Ihre Diskussionen bezüglich der Veränderungen des Einspeisegesetzes genauestens. Ich bin in der Fa. Ralos (Photovoltaik Betrieb www.ralos.de) für Öffentlichkeitsarbeit zuständig und möchte Ihnen eine Bitte mit auf den Weg geben.
Die Photovoltaikbranche erlebt seit Jahren immer zum Jahresende einen Boom an Aufträgen. In den ersten Jahren wurde dies noch erfreut zur Kenntnis genommen.
Inzwischen stellt sich die Frage ob wir mit dem Degressionsdatum zum 31.12. richtig liegen.
Eine Photovoltaikanlage wird nicht an der Haustür verkauft sondern nach der Kontaktaufnahme mit dem Interessenten wird ein vor Ort Termin vereinbart. Danach wird das Dach vermessen und ein Angebot unterbreitet. Oft holen sich die Interessenten mehrere Angebote ein und vergleichen diese. Es müssen Finanzierungsfragen und Steuerliche Aspekte berücksichtigt werden. Auch in dieser Phase des Entscheidungsprozesses wird der Interessent von der Photovoltaik Firma betreut.
Oft erfolgt die Auftragsvergabe erst Monate nach der ersten Kontaktaufnahme. Kurz vor der nächsten Degression wird natürlich der „Druck“ auf die Interessenten immer größer und es kommt vermehrt (zum Glück!) zu Aufträgen.
Da die Degression derzeit zum 1.1. eines Jahres erfolgt, sind die Photovoltaikfirmen am Ende des Jahres früh ausgebucht. Es können einfach nicht mehr Aufträge angenommen werden. Denn die Montagekapazität durch Fachpersonal ist der begrenzende Faktor.
Ebenfalls zum Jahresende häufen sich die Aufträge von Kunden die aus „steuerlicher Sicht“ unbedingt noch im ablaufenden Geschäftsjahr eine Photovoltaik Investition tätigen wollen (müssen!).
Dazu kommen die „normalen“ Kunden die den Prozess (Erstkontakt, Angebot, Auftrag und Montage) gleichmäßig abhandeln und dadurch unsere Auslastung gewährleisten.
Nach der Degression im Januar bis März konnten wir bisher eine Art „Entmutigung“ bei unseren Interessenten „etwas verpasst zu haben“ registrieren. Erst im April finden sich wieder Nennenswert neue Interessenten die sich eine Photovoltaikanlage wünschen und nicht der alten (höheren) Einspeisevergütung nachtrauern.
Der Auftrags Druck am Jahresende und der entspannte Markt am Jahresanfang wirkt sich natürlich auch auf die Abnahmemengen der Photovoltaik Komponenten (Solarmodule, Wechselrichter, Kabel und Montagmaterial) aus. Eine vernünftige Planung kann meines Erachtens kein Montagebetrieb durchführen. Da die Zulieferindustrie (Module und Wechselrichter) ebenfalls nicht „auf Lager“ produzieren kann entstehen Unwägbarkeiten auf allen Ebenen des Lieferungsprozesses. Dies dürfte nach meiner Einschätzung auch zu höheren Preisen führen.
Es kommt allerdings noch ein weiteres Problem hinzu. Durch die Auftragsannahme sind wir verpflichtet die Photovoltaikanlage auch noch im ablaufenden Jahr fertig zu montieren. Sie können sich sicherlich vorstellen, daß bei einer unvorhergesehenen Schlechtwetterperiode die komplette Existenz eines Montagebetriebes auf der Kippe stehen kann. Immer dann wenn wir zu viele Aufträge angenommen haben. Der Kunde wird schließlich auf seine Auftragbestätigung pochen und notfalls die durch verspätete Montage entgangene erhöhte Vergütung einklagen.
Allerdings wird die Schlechtwetterperiode ja nicht zentral „von oben“ verordnet sondern der Montageverantwortliche Monteur entscheidet vor Ort. Nach einer Anfahrt (Straßenglätte) von einer Stunde stellt er fest, das Dach ist wegen Nachtfrost noch nicht begehbar. Vielleicht „wenn das Wetter besser wird“ in eins zwei Stunden kann das Dach betreten werden.
Der Kunde vor Ort möchte natürlich seine Anlage schnellstmöglich auf dem Dach sehen. Deshalb gerät der verantwortliche Monteur in eine Zwickmühle. Auf der einen Seite die Gesundheit und Sicherheit des Montagetrupps auf der anderen Seite der Kunde und die Auftragsabteilung die erwartet, daß die Anlage heute gebaut wird. Denn morgen wartet schon der nächste Kunde.
Durch die Winterzeit steht dem Montagetrupp auch nur wenig Zeit zur Verfügung. Teilweise können max. 6 Stunden an einem Tag montiert werden. Die Kälte und die wärmende Kleidung stören natürlich den Monteur an einer qualitätsmäßig hochwertigen Ausführung. Zwangsläufig mehren sich die Fälle bei denen die Monteure einen Tag länger wie geplant benötigen. Es entstehen zusätzliche Kosten durch Anfahrt und Umplanung der nachfolgenden Projekte.
Bei den Energieversorgern entstehen am Jahresende ebenfalls Engpässe durch die vielen Netzanfragen und der hohen Zahl von Inbetriebnahmen von Photovoltaikanlagen. Genau in einer Zeit in der viele Mitarbeiter gerne Weihnachten feiern und einen Winterurlaub buchen würden.
Ich möchte Sie deshalb bitten die Degression bei Photovoltaikanlagen auf den 30.6. zu verlegen.
Aus unserer Sicht würde dies zur gleichmäßigen Auslastung und damit Kostenreduzierung in der gesamten Photovoltaikbranche führen.
Am Jahresende wären die Montagebetriebe durch die „normalen Kunden“ und die Aufträge der steuerlich geprägten Kunden immer noch ausgelastet. In den Monaten April, Mai und Juni gäbe es den Degressions Aufschwung durch die „drohende Degression“ am 30.6. des Jahres.
Der sommerliche Aufschwung kann von den Monteuren viel besser und vor allem sicherer abgearbeitet werden. Die Anfahrtszeiten sind sicherer zu kalkulieren, die Arbeitskleidung der Monteure ist effektiver und bei Bedarf kann dank der Helligkeit auf der Baustelle eine Photovoltaikanlage ohne weiteres fertig installiert werden. Eine weitere Anfahrt entfällt und Gerüstkosten werden minimiert.
Die Auslastung der Zulieferer wäre gleichmäßiger über das Jahr verteilt.
Aber nochmals das wichtigste Argument:
Die Montage einer Photovoltaikanlage kann im Sommer sicherer durchgeführt werden wie im Winter bei Eis und Schnee und die Gesundheit unserer Monteure steht an erster Stelle.
Wir würden uns freuen wenn Sie diese Anregung aus der Praxis bei Ihren Überlegungen berücksichtigen.
Mit sonnigen Grüßen
Erhard Renz