Das Energiekonzept der Bundesregierung begrenzt den Ausbau der Photovoltaik auf die nächsten 7 Jahre. Wobei dies die maximale Laufzeit wäre wenn wir in den nächsten Jahren keine Steigerung der Installationszahlen hinbekommen würden. Damit hat die Photovoltaikbranche sogar noch eine längere Perspektive zugeteilt bekommen wie die Windenergie die nur noch 5 Jahre Laufzeit erhalten soll.
Die Photovoltaik hat in den letzten Jahren ein enormes Wachstum hingelegt.
Im Jahr 2007 produzierten Photovoltaikanlagen “nur” 3 TWh Strom.
Bereits in 2008 stieg die Produktionsmenge auf 4,4 TWh Strom um dann im Jahr 2009 auf 6,6 TWh Strom anzusteigen. Also jeweils eine Steigerung von rund 50% Strom wie im Jahr zuvor.
Das Jahr 2010 dürft erstmals die 10 TWh Stromgrenze überschreiten und in den Folgejahren rechne ich mal konservativ mit je 3 TWh zusätzlich. Da die Bundesregierung bis 2020 aber nur ein Potential von 31 TWh ausbauen möchten, ist ab 2018 Schluß mit Lustig in der PV Branche. Vielleicht wäre Angela Merkel (wenn noch Bundeskanzlerin) aber auch gnädig und würde uns 2018, 2019 und 2020 nochmals jeweils 3 TWh Strom installieren lassen. So eine Art Laufzeitverlängerung wäre dass dann. Dann hätten wir ein Photovoltaik Stromproduktion von 40 TWh bereits in 2020 erreicht!
Danach hätten wir zumindest von 2020 – 2050 Ruhe und bräuchten keine einzige Photovoltaikanlage mehr bauen und wir hätten trotzdem die Ziele des Energiekonzeptes der Bundesregierung für Photovoltaik (39 TWh bis 2050) erreicht und sogar um ein TWh überschritten.
Gut ich wäre in 2020 erst 66 Jahre alt und müsste mich noch nach einem neuen Arbeitsplatz umschauen aber was machen die anderen 30.000 sollen die sich auf die Wartung und Pflege konzentrieren? Wenn ich in das Energiekonzept der Bundesregierung nachschlage sehe ich man will Desertec politisch flankieren ein “Overlay-Netz” planen und ein “Zielnetz 2050″ entwickeln. Auf “praktisch” übersetzt: neue Netze bauen und die Arbeitsplätze und die damit verbundene Wertschöpfung ins Meer und die Wüste verlagern.
Die Bundesregierung will zentrale Energieversorgung und Wertschöpfung bei den Konzernen. Ich will dezentrale Energieversorgung und Werterhaltung bei den Bürgen. So minimal ist der Unterschied.
Ich empfinde die klaren Worte des Bundesverbandes für Wind Energie erfrischend klar und ehrlich und hab mich mal in der Solar Branche umgesehen:
Eurosolar
“Erneuerbare brauchen keine Brücke” und organisiert traditionell eine Anzeigenkampagne in den Printmedien.
SFV e.V.
Auf der Homepage ist die Laufzeitverlängerung noch nicht angekommen.
Bundesverband Solarwirtschaft (BSW)
Auf der Homepage ist die Laufzeitverlängerung noch nicht angekommen.
Deutsche Gesellschaft für Solarenergie (DGS)
Die DGS verlinkt auf ihre Fachzeitschrift Sonnenenergie und philosophiert über den Sinn von Aktiengesellschaften und Atomkraft. Vergisst aber die Solarenergie zu analysieren und kommentieren.
Photon
Selbst die Photon sonst immer für große Sprüche schnell zu haben. Dort wird unter aktuell ein 1,5 MW Solarpark beschrieben. Bei Politik findet sich ein Artikel über Spanische Einspeiseveränderungen vom 11.8.2010. Im Newsletter von Photon hab ich auch nix gefunden.
Photovoltaikforum
Im Forum diskutiert man den Atomausstieg das Energiekonzept ist dort auch noch nicht angekommen.
Solarserver
Hier finde ich zumindest einen hervorragenden Kommentar von Volker Quaschning der es nicht beruhigend findet “dass randalieren, bekifft Autofahren und das Betreiben von Kernkraftwerken versicherungsrechtlich gleichgestellt sind”.
Was will ich damit sagen?
Die Solarbranche ist in einem katastrophalen Zustand was ihre Kommunikation gegenüber der Politik betrifft. Wenn eine Bundesregierung ein Energiekonzept veröffentlicht und die eigene Branche dermaßen “in den Eimer” plant erwarte ich Reaktionen. Harte Reaktionen. Die Branche kann solch ein Energiekonzept nicht akzeptieren und dies muß auch klar wie beim Bundesverband Windenergie kommuniziert werden. Damit dies geschieht benötigt die Photovoltaikbranche eine ähnliche Organisation wie die Windenergie in der Hersteller, Planer, Betreiber, Kommanditisten und einfache Mitglieder gemeinsam an einem Strang ziehen. Bei 30.000 Arbeitsplätzen und 600.000 Photovoltaikanlagenbesitzer müsste sowas doch möglich sein.
Die Atommafia erlaubt sich da ganz andere Dinge. Ich verwende das Wort Atommafia weil es ja anscheinend in Ordnung ist eine Branche mit der Mafia zu vergleichen.