Jetzt liegt der EEG Erfahrungsbericht (Stand 3.5.2011) der Bundesregierung vor. Mit diesem Erfahrungsbericht erfüllt die Bundesregierung ihre Berichtspflicht und sie stellt umfassend dar welche Änderungen sie z.B. im EEG anstrebt.
Auf zwölf Seiten (S. 122-134) werden die Erfahrungen mit Photovoltaik beschrieben. Mir fällt als erstes auf, daß nach belieben die Zahlen aus dem Jahr 2010 hinzugenommen oder aber (bewußt?) nicht erwähnt werden.
Dies fällt besonders bei der Grafik der Vergütungssätze auf.

Wir liegen momentan bei kleine Anlagen bei 28,74 Cent Vergütung. Gegenüber den 33,03 Cent die im “Erfahrungsbericht” dargestellt wird sind dies ca. 4,3 Cent weniger. Aber dann wäre ja auch klar geworden, dass wir bereits enorme Kostenreduzierungen in der Photovoltaik realisiert haben. Bei dieser Kostenreduzierung konnte bisher keine andere Erneuerbare Energieform mithalten.
Ähnlich sieht es auch bei dieser Grafik aus:

Für die Vergütungen aus dem Jahr 2010 liegen überraschender Weise keine Werte vor. Ein Schelm wer böses dabei denkt! Wieviel CO2 eingespart wird konnte natürlich berechnet werden. Interessiert aber eigentlich kein Mensch im Erfahrungsbericht. Schön finde ich aber die Arbeitsplätze Entwicklung. Im Atomkraftbereich werden ca. 40.000 Arbeitsplätze in Deutschland statistisch erwähnt. Dass die Photovoltaik inzwischen das zweieinhalbfache an Menschen ernährt finde ich toll.
Nicht logisch erscheinen mir die Parameter für die Berechnungen der Stromgestehungskosten.

Den Fremdkapitalzins bei kleinen Anlagen (10.000 Euro) gleich zu setzen mit Millionenprojekten halte ich für absoluten Quatsch. Großkunden haben bei der Bank immer bessere Konditionen wie ein Kleinkunde. Es erschließt sich mir ebenfalls nicht warum eine Freiflächenanlage mit 70% Eigenkapital finanziert werden soll? Im Gegenzug wird die Kleinanlage mit 10% Eigenkapital eingesetzt. Klar ist aber, daß genau mit diesen Berechnungen anschließend die pauschalen Aussagen untermauert werden…
Wie stark sich die Anlagengröße in den letzten Jahren verändert hat kann in der Grafik Verteilung Anlagengrössenklasse beobachtet werden.

Im Jahr 2000 wurden 68% der Leistung auf kleine Dächer mit max. 10 kWp installiert. Im Jahr 2009 waren dies nur noch 12%. Damit dürfte auch klar sein wo die Arbeitsplätze entstehen. Nicht beim kleinen Elektrohandwerker sondern immer mehr bei den Systemhäusern die auch größere Anlagen bauen können. Die Preisdifferenz von 800 Euro (ca. 40%) zwischen 2.030 Euro je kWp für eine Megawattanlage und 2.830 Euro für eine Kleinanlage zeigt wie groß inzwischen die Kostenspanne zwischen diesen Kraftwerken ist.

Am spannendsten finde ich aber den Ausblick den der EEG-Erfahrungsbericht gibt. Bei einer PV-Vergütungshöhe entsprechend dem Zubau des von der Bundesregierung gewünschten Ausbaupfads werden wird ab 2015 sensationell günstige Photovoltaikpreise sehen.
Für Dachanlagen wäre die Vergütungshöhe bei 16 Cent je kWh. Bei einem derzeitigen Strompreis von 23 Cent kann ich mir kaum noch vorstellen, dass dann irgendjemand auf den Bau einer Photovoltaikanlage auf seinem eigenen Dach verzichtet?
Ich weiß auch nicht welche Stadtwerke dann noch eine Windkraftanlage im Meer finanzieren sollen, die für Windstrom vom Meer derzeit 15 Cent erhalten, wenn eine Photovoltaik Freiflächenanlage den Strom direkt neben der Stadt für 12 Cent produziert?
Photovoltaik wird bereits in vier Jahren so günstig sein, daß diese ganzen Ausbaupläne von Netzinfrastruktur innerhalb Deutschland in die Schubladen wandern dürften. Vor allem wenn ich die momentanen Ideen anschau Strom kurzfristig in Batterien zwischen zu speichern und langfristi evtl. in Methan umzuwandeln. Das Methan wäre dann in die Gaspipelines leicht zu integrieren(speichern).
Die im Erfahrungsbericht aufgezeigten Handlungsempfehlungen sind pauschal und wenig innovativ. Wichtig wäre aus meiner Sicht eine eigene Kleinanlagen Vergütung bis 10 kWp um diese Kunden nicht aussen vor zu lassen. Die Bemessungsgrundlage für den atmenden Deckel halte ich für ein Glücksspiel und es könnte leicht über oder untersteuert werden. Letztendlich müsste der Politik endlich klar werden, der Ausbau der Photovoltaik wird durch die Kostenreduktion für immer mehr Menschen interessant. Die Menschen werden den Ausbau der Photovoltaik weiterhin konsequent finanzieren. Aber wenn dies geschieht muß die Bundesregierung endlich erkennen, daß dazu ein Netzausbau in jeder einzelnen Gemeinde unbedingt erforderlich ist.
Anmerken möchte ich allerdings noch die nicht akzeptablen Eigenkapitalrenditen bei anderen Techniken die im Vergleich zur Photovoltaik anscheinend als “normal” angesehen werden.
Eigenkapitalrendite von 12 % bei Onshore Windkraft! Bei guten Standorter (120% Standort) bis zu 14%!!! (s. S. 111+112)
Bei Offshore Windkraft wird sogar empfohlen ein “Stauchungsmodell” für die Anfangsvergütung einzuführen. Dies würde bedeuten die Konzerne haben Ihre Kosten (und mehr) bereits nach 12 Jahren eingespielt und können mit den abgeschriebenen Windrädern gute Gewinne einfahren. Der kWh Preis liegt beim Stauchungsmodell bei 19 Cent!
Was würde die Bundesregierung sagen wenn ich ein Stauchungsmodell für kleine PV Anlage fordern würde? Zwanzig Prozent höhere Einspeisevergütung dafür kürzere Laufzeit des EEG?
Sicher würde mich Herr Dr. Pfeiffer wieder als Solarmafia bezeichnen.