Hintergrundpapier des Verbraucherzentrale Bundesverbandes
Da wir momentan natürlich wie gebannt nach Berlin schauen und auf Infos zum Einspeisegesetz warten möchte ich mir das Hintergrundpapier des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZVB) anschauen.
Zum einen wird in den Medien immer nur die eine Forderung des VZVB tranpsortiert. Es gibt allerdings vier Forderungen.
1. Die 30% Reduktion
2. Zubau Prognose und Überwachung
3. Prognose Konsequenz
4. Energieintensive Unternehmen gleich behandeln
Punkt zwei und drei sind ja bereits im jetzigen EEG enthalten. Leider haben sich alle bei den Zuwachszahlen verschätzt, es muss also nur eine Anpassung dieser Parameter vorgenommen werden. Allerdings ist der Vorwurf an den BSW ungerechtfertigt denn die Mengenprognose wären eigentlich eine Aufgabe der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern. Im EEG 2004 stand bereits das dieses Anlagenregister eingerichtet werden soll. Wenn die Politik und die Energieversorger aber Ihre Arbeit nicht tun kann man dem BSW für seine zu niedrigen Prognosen nicht abstrafen. Vor allem weil der BSW nicht die Entwicklung in Spanien und daraus folgend die Preisreduzierung der Solarmodule weltweit erahnen konnte.
Ich möchte auch klar sagen, daß die 4. Forderung keine Resonanz in den Medien findet liegt daran weil dies momentan nicht in die allgemeine Hatz gegen die Photovoltaik passt. Wenn die Politik der Meinung ist, daß der einzelne zu viel an Kosten für Photovoltaik tragen muß könnte man ja diejenigen die viel Energie verbrauchen auch mehr für die Finanzierung rannehmen. Aber wie gesagt diese Forderung der VZVB liegt momentan nicht im allegemeinen Trend und wird deshalb verschwiegen. Die Forderung ist aber berechtigt.
Kommen wir zur Forderung eins der “einmaligen Reduktion der Einspeisevergütung von 30%”.
Der VZVB schreibt selbst die Preise für Module liegen zwischen 1,30 und 2,00 Euro je Watt die restlichen Kosten für Montage, Wechselrichter, Kabel, Zubehör und Netzanschluss liegen zwischen 0,80 bis 1,00 Euro. Leider nimmt der VZVB bei seiner Berechnung die Untergrenze von 2.200 Euro pro Kilowatt an. Was soll denn diese “Geiz ist Geil” Argumentation. Die gesetzliche Grundlage soll sich am niedrigsten Niveau orientieren.
Liebe Verbraucherzentrale wenn eure Beratung sich darin erschöpft den billigsten zu nehmen dann kann ich auch gleich zu den Billiganbietern gehen. Auch in der Photovoltaik hat Qualität und Leistung ihren Preis. Wer jetzt meint mit dem billigsten Angebot auch nach 20 Jahren das beste Geschäft gemacht zu haben der wird sich wundern.
Auch hier verweise ich gerne (zum x-ten mal) auf meinen ehemaligen Arbeitgeber (Daimler) der schon seit mehr als 100 Jahren mit Qualität auch höhere Preise verlangen kann. Es wäre also falsch wenn die Politik sich am billigsten orientiert weil dann in einigen Jahren sicherlich bei vielen Photovoltaikanlagen das Heulen und Zähneknirschen beginnen wird. Es gibt auch bei den Erneuerbaren Energien das Beispiel der Windenergie wo man zeitweise enorme Qualitative (Getrieb, Rotoren, Fundament) Probleme hatte. Qualität hat seinen Preis!
Deshalb finde ich es unredlich wenn der VZVB sich am “Spottpreis” orientiert. Er müsste im Sinne der Verbraucher den realistischen Qualitätspreis von 3.000 Euro bei kleinen Anlagen annehmen. Aber auch da muß ich einwenden, daß je kleiner die Anlage wird die “Einmalkosten” wie Beratung, Anfahrt, Gerüst und Planung nunmal anfallen und bezahlt werden müssen deshalb ja meine Forderung eine bis 10 kWp Klasse einzuführen.
Die Polemik des VZBV es gäbe eine “jahrelange Überförderung” ist natürlich falsch den jeder der sich mit PV beschäftigt weiß, daß diese Kostensenkungen erst aufgrund der hohen weltweiten Stückzahl in 2008 und 2009 realisiert werden konnten. Möglich waren die Kostensenkungen nur weil neue PV-Fabriken mit deutscher Technik (Achtung: Arbeitsplätze!) überall auf der Welt auch in China gebaut wurden. Wir verspielen aber unseren techn. Vorsprung in diesem Bereich wenn die weltweiten Stückzahlen einbrechen. Weltweit hohe Stückzahlen sind aber nur mit einem starken deutschen Markt möglich.
Auch der Hinweis des VZVB eine 6%igen Rendite für PV Anlagen Besitzer wäre ausreichend finde ich unverschämt solange die konventionelle Energiewirtschaft z.B. RWE eine Eigenkapitalrendite von 19,47% derzeit ausweist.
Wo bleibt da die Forderungen des VZVB?
Dünnschichtmodule in die Diskussion einzubringen ist natürlich auch Quatsch wenn wir über wertvolle Dachflächen reden. Wir sollten unsere Dächer mit Solarmodulen belegen die einen hohen Wirkungsgrad haben und Dünnschicht nur dort verwenden wo “vorbelastete Fläche vorhanden” ist. Schließlich “soll hinten” auch viel Strom in Deutschland durch Photovoltaik rauskommen!
Zum Schluß möchte ich auf den Börsenpreis von 5 Cent je kWh eingehen. Der VZVB geht zu Recht von einem steigenden Preis von 5% aus und kommt so auf einen durchschnittlichen Börsenpreis von 9 Cent in 20 Jahren. Mit der Realität hat diese Annahme nichts zu tun.
Für unser Photovoltaikkunden und auch den Verbrauchern spielt nämlich nicht der Börsenpreis sondern der Preis eine Rolle den unsere Kunden beim Energieversorger zahlen müssten. Dies sind momentan ca. 23 Cent je kWh. Dieser Preis wird natürlich auch um 5% in den nächsten 20 Jahren steigen. Oder glaubt jemand ernsthaft, daß die Netzkosten bleiben. Die Steuern werden sowieso prozentual aufgeschlagen es wird also eine Erhöhung der 23 Cent geben.
2010 – 23 Cent, 2011 – 24 Cent, 2012 – 25 Cent, 2013 – 27 Cent,
2014 – 28 Cent, 2015 – 29 Cent, 2016 – 31 Cent, 2017 – 32 Cent,
2018 – 34 Cent, 2019 – 36 Cent, 2020 – 37 Cent, 2021 – 39 Cent,
2022 – 41 Cent, 2023 – 43 Cent, 2024 – 46 Cent, 2025 – 48 Cent,
2026 – 50 Cent, 2027 – 53 Cent, 2028 – 55 Cent, 2029 – 58 Cent
und 2030 61 Cent.
Dass sind die Aussichten. Wer 2030 Strom kaufen will wird 61 Cent je kWh zahlen dürfen.
Aber unsere Kunden haben ja wenn sie 2010 eine Anlage ans Netz die Möglichkeit den Strom selbst zu verbrauchen und bekommen dann “nur noch” 22,76 Cent je kWh. Es wird für unsere Kunden also höchst attraktiv sein den Strom selbst zu verbrauchen. Für die Käufer von Strom bedeutet dies allerdings sie werden “nur” mit 22,76 Cent je kWh belastet und nicht wie VZVB berchnet mit 27 Cent je kWh. Die Inflation die ja auch erheblich sein wird (siehe Preissteigerungsliste) in 20 Jahren blendet der VZVB bei damit bei seiner Aussage 14 Milliarden aus.
Deshalb empfinde ich die Forderungen des VZVB als unseriös und nicht durchdacht an und bin mir auch sicher, daß die jetzige Bundesregierung genug betriebswirtschaftliche Fachkenntnis hat diese “Milchmädchenrechnung” zu entlarven.
