Die Stimmungsmache kommt Punktgenau
Heute hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) Gespräche mit der Solarbranche über die zukünftige Photovoltaik Einspeisevergütung. Während ich mich mit vielen anderen auf sachlicher Ebene bemühe eine Regelung zu finden die allen gerecht wird sind andere mit der “Hau drauf” Methode unterwegs.
Allen voran hat man wieder mal jemanden gefunden, der nach einer “30%igen Senkung der Subvention” schreit. Zumindest hat die Berliner Zeitung diese Forderung in ihrer heutigen Ausgabe dem Bundesverband der Verbraucherschützer zugeschrieben. Auf der Homepage des Bundesverbandes finde ich diese Forderung allerdings nirgends? Dafür einen Artikel zum gescheiterten Kopenhagen Klimagipfel mit folgenden Aussagen:
“Jeder Tag, der ohne weitere verbindliche Reduktionsziele verstreicht, erhöht die Kosten für die Verbraucher. Denn sie tragen die Folgen des Klimawandels, etwa Schäden durch extreme Wetterereignisse”, kommentiert der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) Gerd Billen. Weiter wird H. Billen zitiert mit “Wenn Deutschland seinen CO2-Ausstoß bis 2050 bis zu 95 Prozent reduzieren will, sind erhebliche Investitionen in eine CO2-freie Stromerzeugung, in die Sanierung des Gebäudebestands und die Verkehrsinfrastruktur nötig.”
Es sind also genau gegenläufige Aussagen zu dem was in der Berliner Zeitung steht.
Noch toller treibt es Spiegel Online:
Der Bericht von Anselm Waldermann kratzt mal wieder alle möglichen Kommentare aus der Szene zusammen würfelt diese Aussagen wild durcheinander und bezichtigt die “Solarlobby würde bei Subventionen tricksen”.
Auf den Artikel gehe ich im einzelnen nicht ein. Der Redakteuer Anselm Waldermann ist schon einmal durch seine wilden Anhäufung von wirren Rechnungen unangenehm aufgefallen.
Ich störe mich am Begriff der “Solarschulden” die am linken Rand des Berichts “erläutert” werden.

Man beachte den Hinweis wer eine Photovoltaikanlage betreibt, darf seinen Strom “unabhängig vom tatsächlichen Bedarf” jederzeit ins Netz einspeisen. Lieber Schreiberling wer immer diesen Mist auch geschrieben hat. Von Photovoltaik haben Sie keine Ahnung. Solarstrom wird immer dann produziert wenn er auch gebraucht wird. Mir ist seit Anbeginn der Photovoltaik kein Zeitpunkt bekannt an dem die deutschen Photovoltaikanlagen mehr Strom produziert haben wie Zeitgleich verbraucht wurde. In den nächsten fünf Jahren brauchen Sie sich auch keine Sorgen machen dass diese Situation eintrifft.
Natürlich wird als Vergleich mal wieder die Energiebörsen Preis herangezogen. Hier wird er mit 8 Cent definiert 10 cm weiter oben auf der Homepage in der Rechnung (vermutlich Anselm Waldermann) sind es nur 5 Cent aber was sind schon 60% Differenz wenn man pauschal auf eine Branche eindreschen will.
Der Einfachheit halber habe ich die weiteren Texte einfach kopiert:
“Die Laufzeit
Die Solarvergütung ist für 20 Jahre garantiert. Das heißt: Eine Solaranlage, die heute installiert wird, verursacht auch in 20 Jahren noch Kosten. Diese langfristigen Kosten werden als “Solarschulden” bezeichnet.”
Selbst Google fragt nach ob ich nicht Steuerschulden meine. Dass diese Anlage in den nächsten 20 Jahren auch Strom produziert/liefert wird hier verschwiegen. Oder wenn schon ein Vergleich mit dem Börsenpreis angestellt wird wo bleibt die Einbeziehung der Klimaschulden und der Radioaktivitäts Bewachungsschulden bei konventionellen Stromerzeugern?
Unter der Rubrik “Die Kosten” verbirgt sich die Berechnung der Gesamtsumme, allerdings auch hier wieder mal ein Verweis auf die allseits als neutral bekannte RWI. (
Whuaahahaha)
“Der Schuldenberg
Bei den errechneten Solarschulden geht es nur um die bereits installierten Module. Jedes Jahr gehen jedoch weitere Solaranlagen ans Netz. Laut RWI wächst der Solarschuldenberg deshalb jedes Jahr um neun bis zehn Milliarden Euro.”
Ich fände es mehr als gerecht wenn Herr Anselm Waldermann sich schon mal auf den Weg macht und den Schuldenberg zu errechnen den wir uns aufladen wenn sich am 21.1. die vier Spitzen im Kanzleramt einfinden.
Mir würde es reichen wenn wir wüssten wie hoch die Atomschulden wären bei einem Jahr längeren Laufzeiten für Deutsche Atomkraftwerke. Natürlich inclusiver Folgekosten und Versicherung der alten Blöcke.

Am 13. Januar 2010 um 13:25 Uhr
[...] ist genauso erfolgreich wie umstritten, siehe auch den vorigen Beitrag oder den Beitrag von Erhard Renz im Ralos-Blog zur Stimmungsmache. Ab heute berät die Bundesregierung die Zukunft der Einspeisevergütung von Strom aus [...]
Am 13. Januar 2010 um 15:44 Uhr
[...] mischen Sie Äpfel mit Birnen um zu dramatisieren und mischen Fakten, wie Erhard Renz in seiner hervorragende Replik anmerkt. Sind es nun 5 oder 9 ct, die der Strom an der Börse kostet? Und warum schauen Sie sich [...]
Am 13. Januar 2010 um 23:42 Uhr
Also diese Replik ist verdammt schwach. Sorry.
Ob ich von den 40 Cent 5 oder 8 abziehe, ist am Ende ziemlich wurscht. In einem Fall zahle ich 35 Cent mehr als bei “normalen” Strom, im anderen 32 Cent. Ein kaum merkbarer Unterschied. In einem Fall macht das 55 Mrd. Schulden, im anderen 60 Mrd. (oder so). Who cares?
Wir geben einen Haufen Geld aus bekommen dafür gerade mal 1% unseres Stroms. Wie sollen wir bei solchen Kosten 100% unseres Stroms CO2 frei erzeugen? Die 50 Mrd. mal ganz schlapp hochrechnen auf 100 dann bin ich 5 Billionen. Wie soll das gehen?!?
Ganz nett wäre übrigens eine Replik auf die Schätzungen des Bundesverbands Solarwirtschaft gewesen. Dieser Verband, den ich heute mal provokant Solarmafia getauft habe, schätzt seit jahren die installierte Leistung massiv zu niedrig. Aus knapp 700 MW Leistung in 2009 sind wohl 3 oder 4 Gigawatt geworden. Auch 2008 war die Schätzung bei einem Drittel der real installierten Kapazität.
Außerdem wäre es mal nett, auf die RWI Studie etwas mehr einzugehen als mit einem billigen Whuaahahaha. Die installierte Kapazität mit der Einspeisevergütung zu multiplizieren ist nicht sonderlich schwieirig und dabei kann mn nix falsch machen. Was stimmt also an der Rechnung nicht?
http://egghat.blogspot.com/search/label/solarenergie
Bei allen Zielen des EEGs: Es geht nicht darum das abzuschaffen. Es geht darum, zu verhindern, dass sich Dachbesitzer Solaranlagen mit 10% Rendite auf’s Dach klatschen und alle anderen dafür zahlen müssen. Hier werden nämlich riesige Beträge zu Gunsten von Dachbesitzern (und nicht zu Gunsten der Umwelt) sinnlos umverteilt … Ziel muss es sein, nicht so früh wie möglich möglichst viele Anlagen mit viel zu hohen Kosten auf die Dächer zu bekommen, sondern die Preise für die Anlagen so schnell wie möglich so weit wie möglich nach unten zu bekommen. Damit das EEG irgendwann mal überflüssig ist.
Am 14. Januar 2010 um 11:47 Uhr
Hallo egghat,
leider agierst du ähnlich wie der Redakteur des Spiegel Artikels und wirft einige Zahlen durcheinander. Die Verhältnissmässigkeiten definierst du frei Schnauze so wie es dir grad passt.
Wenn du hier im Blog liest wirst du sehen, daß ich seit mehr als einem Jahr versuche das EEG vernünftig weiter zu entwickeln. Wenn dann genau an dem Tag an dem die Bundesregierung sich Experten einlädt, solche Artikel (Spiegel und zvbv) veröffentlicht werden, bin ich nicht gewillt jedes einzelne “Argument” im Detail zu widerlegen. Wobei der zvbv ja als Experte eingeladen war und seine Meinung vortragen konnte. Dann hätte ich erwartet, daß er seine Infos auch ins Netz stellt. Inzwischen hat er dies getan und ich werde mir diese Argumentation auch irgendwann vorknöpfen.
Ob der Börsenpreis mit 5 oder 8 Cent in die Kalkulation eingeht gehört einfach zur Fairnis auf einer Seite nicht mit zwei verschiedenen Werten zu agieren. Auch du gehst locker über diesen Wert hinweg bedenkst aber nicht, daß die Mehrkosten für Photovoltaik je kWh bei weitem keinen Cent je kWh ausmacht. Aber drei Cent je kWh in der Berechnung sind “ein kaum merkbarer Unterschied”???
“Wir geben einen Haufen Geld aus”
Für wen redest du denn? Deine “schlappe Rechnung” den kompletten Strombedarf mit Photovoltaik zu decken kommentiere ich besser nicht. Oder doch – ist einfach Unsinn…
Den Bundesverband Solarwirtschaft anzuprangern und in die Nähe der “Mafia” zu rücken mag dir Spaß machen beim schreiben. Fakt ist allerdings, daß bereits im EEG 2004 (§ 15 Transparenz) steht, daß ein Anlagenregister angelegt werden soll. Es war nicht die Aufgabe des BSW Photovoltaikanlagen zu zählen. Wenn die Unternehmen die dem RWI nahe stehen wollten hätten sie die tatsächlichen Zahlen der installierten Anlagen veröffentlichen können. Haben sie aber nicht… Selbst heute wo das EEG 2009 vorschreibt ein Anlagenregister zu veröffentlichen tun sie es nur Lückenhaft.
Zu RWI hab ich am 4.10. hier im Blog schon geschrieben wem die Lasten der Photovoltaik zu hoch sind der soll 223 Euro in Photovoltaik investieren dann holt er sich seinen Anteil wieder zurück.
http://ralos.de/blog/2009/10/subvention-der-photovoltaikbranche.html
So einfach ist das.
Deinen letzten Absatz find ich lächerlich. Nenne mir einen Stromversorger der weniger als 10% Rendite einfährt? Deshalb ist es legitim, daß auch Photovoltaikanlagenbesitzer im optimalen Fall diese Rendite erzielen. Du wirst also bei allen Energiequellen damit leben müssen, dass diejenigen die Unternehmerische Verantwortung übernehmen sich dies auch bezahlen lassen.
Im übrigen arbeiten wir die Mitarbeiter von Ralos Tag für Tag tatsächlich daran, daß wir ordentliche PV-Anlagen bauen die über den Zeitraum von 20 Jahren diese Rendite auch erreichen.
Du zahlst übrigens auch nicht “für die Solaranlagen” sondern für den Strom den du verbrauchst. Verbrauch weniger dann zahlst du auch weniger.
Zu allerletzt das EEG wird nicht überflüssig denn das Recht in das Netz einzuspeisen muss auch dann noch bleiben wenn Photovoltaik günstiger ist wie der Strom der an der Börse gehandelt wird. Es ist also ein Trugschluß wird könnten auf dieses Gesetz demnächst verzichten. Es gibt auch Techniken die nicht so schnell in die Wirtschaftlichkeit kommen wie die PV. Für Offshore Windkraft derzeit (15 Cent je kWh) sehe ich demnächst keine Chance an die “Börsenpreise” ranzukommen. Wir von der Photovoltaik müssen nur an den Preis der Endverbraucher kommen denn wir ernten den Strom wo ihn die Kunden auch verbrauchen. Unterm Dach.
Ich hab mich übrigens erkundigt. Wir klatschen keine Anlagen aufs Dach. Bei uns wird traditionell montiert!
Am 15. Januar 2010 um 23:13 Uhr
Ein viel größerer Stinkstiefel ist dieser Herr. Holger Krawinkel ist immer ganz vorn dabei wenn man gegen Solarwirtschaft wettern kann. Das der Ölpreis steigt ist Gottgegeben http://www.rp-online.de/wirtschaft/news/Gas-und-Strom-werden-teurer_aid_801742.html und wird nicht weiter kometiert. Seine Empfehlung, und die ist immer die gleiche, Anbieter wechseln. Das es Umfragen gibt die genau das Gegenteil aufzeigen, das die Deutschen gern auch mehr für sauberen Strom bereit sind, findet in einem Paralleluniversum statt. Dann Schreibt dieser …. einen Pressetext und alle übernehmen diesen ohne Ihr Hirn einzuschalten, ist ja schließlich vom Bundesverband der Verbraucherzentralen, und die haben immer recht. Dann lasen sich unsere Affen in Berlin davon beeinflussen. Das Stinkt und ist unerträglich. Ekelhaft
Am 16. Januar 2010 um 01:23 Uhr
Viel blabla. Sorry. Die meisten Argumente sind “Unsinn”. Meinst du nicht, das ist etwas wenig? 3 Gigawat neue Leistung mal 40 Cent mact einen bestimmte Betrag. Das ist kein Unsinn.
Und wenn das einzige was einem einfällt ist, dass das Erscheinen eines Artikels kurz vor der Diskussion ist (da muss ja ein Zusammenhang sein, das wird gesteuert!), dann ist das etwas mager. Allein ein Blick in mein Blick (oder auch Deins!) hätte gereicht um mitzubekommen, dass die Artikel im Oktober kamen, im November kamen, im Dezember kamen und auch im Januar kommen. Da ist nix mit mit seiner Theorie.
Und ewig die ganzen Sachen schön rechnen: He man, die Förderung ist doch OK. Was jucken mich die 70 Milliarden, die Stromförderer haben auch 10% Rendite, ist nur albern. Wir schieben an einer Stelle die 10% Rendite künstlich und mit Steuergeldern an und an der anderen Stelle sorgt eine Agentur dafür, dass die Renditen sinken. Das zeigt doch schon, dass wir nicht mit 10% Rendite zufrieden sind. Irgendwo 10% Rendite OK zu finden, nur weil die jemand anders irgendwo anders hat, ist auch nicht hilfreich. BEIDES ist zu viel.
Übrigens: Der Solaranlagenbeitreiber bekommt 20 jahre GARANTIERTES Geld mit Einspeisegarantie. Nenn mir einen Stromversorger, bei dem das Geschäft SO sicher ist.
Am 27. Januar 2010 um 11:33 Uhr
@Ralf
Für mich völlig unverständlich ist warum ein H. Krawinkel für den Verbraucherverband spricht obwohl dessen Vorsitzender Dr. Aribert Peters sich gegen eine Absenkung der Photovoltaik äußert.
@egghat
Deine Rechnung 3 Gigawatt mal Leistung ist nur der Umsatz der gemacht wird. Die Gegenrechnung muss auch gemacht werden.
Wenn 10% Rendite für eine Unternehmerische Tätigkeit zuviel sind ist das ein frommer Wunsch von dir hier im Blog, mit der Realität hat das nix zu tun.
Alle Stromversorger kauften sich bei der Kommune das Recht auf dem Gebiet der Kommune den Strom zu verkaufen. Die Laufzeit dieser Verträge betrug immer 20 Jahre. Diese Konzessionsverträge garantierten den Stromversorgern das sie auch ihren Strom verkaufen konnten zu den Preisen wie sie es wünschten. Durch diese Monopolstellung sind die 4 großen Energieversorger zu ihrem Reichtum gekommen. Erst vor einigen Jahren wurde dies geändert. Jetzt kaufen sie “nur” noch das Netz für 20 Jahre aber auch dies ist eine Gelddruckmaschine. Da den Kommunen das Geld fehlt sind die wenigsten in der Lage das Netz zurückzukaufen.
Das garantierte Geld bekommt der Photovoltaikbesitzer nur wenn er eine Leistung bringt.
Wenn ich heute einen Vertrag mit jemandem abschließen würde, ihm eine Leistung (z.B. 1 Stunde Gartenarbeit) zu erbringen bekäme ich doch auch eine Zusage dass diese Arbeit entlohnt wird. Es würde wahrscheinlich sogar ein Inflationsausgleich mit vereinbart.