Sicherheit geht vor
Ich habe ja schon mehrfach vom Brand auf der 5 MW Anlage in Bürstadt berichtet. Inzwischen hat dieser Brand in der Presse seine Runde gemacht. Wir werden uns an diesen Diskussionen nicht beteiligen. Nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Wir haben wichtigeres zu tun als mit jedem Pressevertreter das wenn und aber durchzusprechen.
Die Ralos sichert aber das Solardach und dies ist momentan vorrangig.
Seit dem Brand am 21.6. haben die Mitarbeiter der Spedition ein Problem. Sie sollen in der Halle arbeiten obwohl sie wissen über ihren Köpfen liegen tausende Solarmodule mit 792 Volt Leerlaufspannung. Diese 792 Volt kommen natürlich nur zum tragen wenn die Sonne scheint, aber genau dies tut die Sonne derzeit ausgiebig über Bürstadt.
Deshalb wurden als Erstmassnahme Brandwachen auf den Sheddächern positioniert. Auf jedes Dach wurden zwei Pulverlöscher zur Erst- Brandbekämpfung gestellt. Alle diese Massnahmen sind mit der Feuerwehr abgesprochen. Auch hier nochmals mein Dank an alle beteiligten Feuerwehrfrauen und -männer. Ihr habt einen tollen Job gemacht.
Wir hatten bereits die Feuerwehr bei der Inbetriebnahme über die Photovoltaikanlage informiert und mit den Verantwortlichen das verhalten im Brandfall besprochen. Die jetzige Rückmeldung aus der Wehr “im Brandfall sieht vieles anders aus” haben wir sofort aufgegriffen. Ralos hat die Löschmannschaft zu einer Übung nach Michelstadt eingeladen. Dort werden wir ähnliche Übungen in der Solarakademie wie mit der Erbacher Feuerwehr durchführen. Vermutlich wird auch keiner aus der Wehr hungrig oder durstig nach Hause fahren.
Wie kommt diese Spannung in den Modulen zustande. Auf der Anlage sind entweder 17 oder 18 Module zu einem String verschaltet. Eines dieser Module liefert eine Spannung von 44 Volt. Da die Module noch im String von max. 18 Modulen verschaltet sind, kann eine Spannung von 792 Volt (44 mal 18) auftreten. Diese hohe Spannung in den Modulen muss weg bis die Brandursache geklärt ist. Deshalb wurde beschlossen die ca. 16.000 Solarmodule auf den Shed Dächern 1 bis 10 zu entkoppeln. Auf Shed 11 bis 16 liegen derzeit ja keine Module da diese ausgetauscht werden sollen. Mit der Montage dieser ausgetauschten Module sollte am 22.6.2009 begonnen werden. Diese Montage wurde natürlich erst einmal verschoben.
Was bedeutet entkoppeln? Die Module werden “demontiert” und dabei werden die Verbindungskabel zu den Nachbarmodulen getrennt. Man könnte auch sagen die Stecker werden gezogen. Danach werden die Module wieder auf dem Dach montiert. Diese Dachmontage wurde nötig weil die Module den Regenschutz für das Gebäude darstellen. Bei einem Starkregen am 1.7. im nur 15 km entfernten Viernheim kamen schließlich 40 Liter Regen je qm runter… Mit der Entkopplung hat jedes Module nur noch 44 Volt maximal Spannung.
Der Dachbesitzer hat für die Sicherungsmassnahmen uns 10 Tage zugestanden. Die Frist läuft am Mittwoch abend ab. Wir haben alles mögliche (z.B. auch Sonntagsarbeit) getan um diese Frist einzuhalten. Zum einen um die Vorgaben des Dachbesitzers zu erfüllen aber hauptsächlich um den Mitarbeitern der Spedition die Ängste zu nehmen. Dies sind jetzt die wichtigsten Tätigkeiten. Ich bin seit heute nachmittag sicher, wir die Ralos, wir werden dies schaffen.
Natürlich bin auch ich so oft wie möglich vor Ort. So braune Arme hab ich schon lange nicht mehr gehabt. Allerdings bin ich abends nach zehn bis zwölf Stunden “Sonnenstudio” platt wie eine Flunder und der Blog kommt etwas zu kurz. Aber auch dafür müsst ihr Verständnis haben…
Ich möchte weiterhin auf diesem Weg offen kommunizieren. Damit alle aus diesem Brand wenigstens etwas lernen, wie im Ernstfall damit umzugehen ist.

Am 6. Juli 2009 um 09:50 Uhr
Hallo Erhard!
Wenn’s brennt braucht man neben beherzt handelnden Feuerwehrleuten auch solche, die einen kühlen Kopf bewahren und sich beispielsweise auch um die Schadensbegrenzung bezüglich der Empfindsamkeiten der Menschen kümmern.
Mir macht die Spannung auf meinem Dach keine Angst!
Wenn Bürstadt befristet runter gefahren werden muß, wäre dann das Auflegen von Folien zur Beschattung kein geeignetes Vefahren?
Gibt es eine geeignete Meßtechnik, mit der sich eine Brandgefährdung an den Modulen erkennen lässt?
Gruß Wilhelm
Am 6. Juli 2009 um 10:13 Uhr
@ Wilhelm,
wie du siehst versuchen wir einiges an Informationen zu veröffentlichen.
Deine Folien Abdeckung wurde tatsächlich diskutiert. Allerdings sind die Sheds sehr groß. Die breite des Daches sind 200 Meter und die Modulfläche ca. 12 Meter hoch. Wir haben bereits Erfahrung bei der Abdeckung des Daches beim Austausch der alten Module. Dort haben wir die Erfahrung mit der Bürstädter “Windenergie” gemacht. Folienabdeckung auf solch einer Fläche wäre zu riskant gewesen.
Da wir noch nicht wissen wie der Brand entstanden ist können wir auch noch nichts sagen wie die Brandgefahr vermieden werden könnte. Aus der Erfahrung mit der ersten Austauschaktion wären Verfärbungen (braune Flecken)auf den Modulen ein HInweis, daß an dieser Stelle sich das Modul zu sehr erwärmt.
Am 8. Juli 2009 um 12:39 Uhr
[...] Brand auf der weltgrößten Dach Photovoltaikanlage sind die derzeit ca. 16.000 Solarmodule alle entkoppelt. Damit kann die Spannung in den Modulen “nur” noch die üblichen 44 Volt je Modul [...]
Am 6. August 2009 um 14:58 Uhr
Hallo Erhard,
Dir sind da leider ein paar Fakten verloren gegangen. Inzwischen arbeitet in den Hallen das Logistikunternehmen FIEGE und nicht mehr die „Spedition“ tts. Ausserdem bist du ziemlich schnell über die Tatsache hinweggegangen, daß die meisten Sicherheitsmaßnahmen vom Logistikunternehmen FIEGE und vom Gebäudeeigentümer ING Real Estate in Absprache mit der Bürstädter Feuerwehr vorgeschlagen wurden. Auch die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Floerchinger sollte man ein Lob für ihren Einsatz aussprechen.Wir waren nur die Ausführenden. Allerdings schreiben wir uns auf die Fahne, daß wir auch diejenigen waren die mit „Mann und Maus“ vor Ort entkoppelt haben. Denn mit jedem entkoppelten String verringerte sich die „Brandgefahr“. Für uns bleibt Vorrangig die Sicherheit auf dem Dach und die von allen geäußerte Hoffnung trotz des Brandes am Ende eine Photovoltaikanlage auf den Sheddächern zu haben. Natürlich muß diese Photovoltaikanlage allen Sicherheitsbelangen gerecht werden. Das ist für uns selbstverständlich.
Claus Rothenbach